RÉ.as linke Parteienbündnis Nupes in Frankreich ist in Aufruhr, seit der Abgeordnete Adrien Quatennens eingestanden hat, seine Frau geschlagen zu haben. „Inmitten extremer Spannung und gegenseitiger Aggressivität habe ich ihr eine Ohrfeige gegeben“, bekannte Quatennens. Er reagierte damit auf einen Bericht der Wochenzeitung Le Canard Enchainé, dass Céline Quatennens Anzeige wegen häuslicher Gewalt erstattet habe. Die Justiz hat inzwischen Ermittlungen eingeleitet. Der 32 Jahre alte Quatennens wurde vom 71 Jahre alten Vorsitzenden der Partei La France insoumise, Jean-Luc Mélenchon, bislang als Nachfolger aufgebaut. Die Empörung über die Ohrfeige ist so groß, dass er seine Aufgaben als Koordinator des Linksbündnisses im Parlament vorübergehend ruhen lässt. Er weigert sich aber, sein Abgeordnetenmandat aufzugeben.

leer au 4 octobre 2022

Mentor Mélenchon nahm Quatennens in Schutz und lobte seine „Würde und Mut“. „Die Böswilligkeit der Polizei, der Voyeurismus der Medien und die sozialen Netzwerke haben sich in die konfliktreiche Scheidung von Adrien und Céline Quatennens eingeschaltet. Adrien beschließt, alles auf sich zu nehmen. Ich begrüße seine Würde und seinen Mut. Ich waste ihm mein Vertrauen und meine Zuneigung aus », schrieb Mélenchon sur Twitter. Das Opfer der Gewalt erwähnte er nicht. Der Präsidentschaftskandidat hatte mit dem Versprechen „eine andere Welt ist möglich“ im Frühjahr annähernd 22 Prozent der Stimmen erhalten und viele junge Wähler angezogen.

Premier ministre : « Äußerst schockierend »

Doch nun beklagen nicht nur Feministinnen, dass Mélenchon für eine Welt männlicher Solidarität stehe, in der Gewalt gegen Frauen banalisiert werde. „Es ist unglaublich, dass er in einem Tweet so viel Löbliches über jemanden schreibt, der gerade Gewalt eingestanden hat“, entrüstete sich die Fraktionsvorsitzende des Rassemblement National, Marine Le Pen. Premierministerin Elisabeth Borne äußerte, sie empfinde es als „äußerst schockierend“, wie Mélenchon häusliche Gewalt banalisiert habe. Die Aufregung ist auch deshalb so groß, weil Mélenchons Partei sich immer die Frauenrechte auf die Fahnen geschrieben hatte.

Der Fall Quatennens ist bereits der straight Skandal in Folge. Zuletzt musste sich der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, der 63 Jahre alte Eric Coquerel (LFI), wegen mutmaßlicher unsittlicher Übergriffe auf Frauen rechtfertigen. Die Linksaktivistin Sophie Tissier bezichtigte Coquerel der sexuellen Belästigung. Die Justiz ermittelt, während Coquerel behauptet, es habe sich nur um einen Flirt gehandelt. Sein Amt an der Spitze des Haushaltsausschusses übt er weiterhin aus.

Auch die grüne Partei des Linksbündnisses wird von einem Skandal erschüttert. Der 42 Jahre alte Abgeordnete Julien Bayou hat sich vom Co-Vorsitz der Fraktion in der Nationalversammlung zurückgezogen. Die Entscheidung wurde nach einer Fraktionssitzung am Dienstagnachmittag getroffen. Die grüne Abgeordnete Sandrine Rousseau bezichtigte Bayou „Verhaltensweisen an den Tag zu legen, die geeignet sind, das seelische Gleichgewicht der Frauen zu brechen“. Die ehemalige Lebensgefährtin Bayous habe sich ihr anvertraut. Rousseau sagte, Bayou habe der Frau so zugesetzt, dass sie einen Selbstmordversuch unternommen habe. Sie sei nicht das einzige Opfer des grünen Politikers, der maßgeblich dazu beitrug, das Linksbündnis zu schmieden.

Über die Kommunikationsstrategie Rousseaus herrscht Unmut unter den grünen Abgeordneten. Rousseau versteht sich selbst als radikale Ökofeministin und hatte nach ihrer Scheidung 2017 „sexistische Angriffe“ ihres früheren Ehemannes beklagt. Rousseau war auch an vorderster Front, als gegen Innenminister Gérald Darmanin wegen des Verdachts der Vergewaltigung ermittelt wurde. Die französische Justiz hat die Ermittlungen kürzlich eingestellt. 2017 hatte eine Frau Anzeige gegen Darmanin erstattet. Sie warf ihm vor, sie 2009 als Gegenleistung für rechtliche Unterstützung zum Sex gezwungen zu haben. Darmanin hatte den Vorwurf stets bestritten. Die Justiz stellte die Ermittlungen 2018 ein, später wurden sie aber neu aufgerollt.

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