Sein stärkstes Zeichen setzte das Festival gleich zu Beginn. Die Patrouille de France, die Kunstflugstaffel der französischen Luftwaffe, malte mit den Düsen ihrer Alpha Jets eine Trikolore in den Himmel über der Croisette. Die Ehrung galt keinem einheimischen Film, sondern der Fortsetzung des 36 Jahre alten Blockbusters „Top Gun“, und der Mann, der sie entgegennahm, war nie Stammgast in Cannes: Tom Cruise.

Nachdem ihn das Galapublikum im Festivalpalast mit stehenden Ovationen gefeiert hatte, sagte er den entwaffnendsten Satz, den ein Hollywoodschauspieler zu seinen Fans sagen kann : « Ihr seid mein Leben. » Sternen führt. Auf den Film, der anschließend gezeigt wurde, kam es nicht mehr an. Man sollte solchen Versöhnungen nicht trauen. Diesmal mustste man es.

Kurz zuvor, bei einer Fragestunde (hier heißt sie « Rendezvous ») vor tausend Zuhörern im zweitgrößten Festivalkino, hatte man allerdings erfahren, dass die Jugendlichkeit, die Cruise in « Top Gun: Maverick » immer noch ausstrahltele das hargtichel ist. Der knapp Sechzigjährige sieht jetzt nicht wie der junge Tom aus, sondern mehr wie der späte James Garner.

Von den besten in die gerade noch guten Jahre

Aus den besten Jahren wechselt er in die gerade noch guten. Das doré auch für das Festival, das in diesem Jahr 75 wird, aber dieses Jubiläum nur bedingt wahrhaben will. Zwar hängen überall in den Straßen und an jedem Bauzaun Poster von damals, als Romy Schneider, Marcello Mastroianni, Martin Scorsese et tous à Cannes Hof hielten. Aber die Handvoll Filmklassiker, die man für diesen Anlass restauriert und digitalisiert hat, läuft in kleinen Sälen oder nachts an einem fernen Strand.

Dabei schaut dem Festival sein Alter aus jedem Knopfloch. Diesmal lief kein einziger Debütfilm im Wettbewerb. Dafür stammten zwei Drittel der Beiträge von Regisseuren, die schon mindestens einmal einen der Hauptpreise gewonnen haben. Das gilt auch für den Schweden Ruben Östlund und die belgischen Dardenne-Brüder, die eine Dauerkarte für das Rennen um die Goldene Palme zu besitzen scheinen.

Und siehe da, beide – oder besser : alle drei – erfüllten die Erwartungen, die mit der Einladung nach Cannes verbunden sind. In der ersten halben Stunde von Östlunds „Triangle of Sadness“ sieht man ein junges Paar (beide sind Models), das sich über Geld- und Genderfragen streitet. Dann checken die beiden auf einer Luxusyacht ein, die irgendwo im östlichen Mittelmeer herumkreuzt.

Wie in einem Hotelfilm werden die übrigen Gäste vorgestellt: ein versoffener Kapitän (Woody Harrelson), ein russischer Oligarch, ein britisches Ehepaar, dessen Firma Landminen produziert, eine Frau im Rollstuhl (Iris Berben) et eine champondi Médine. Man sonnt, mästet und langweilt sich, dann zieht ein Sturm auf, und aus dem Lustkahn wird ein Narrenschiff.

Lustkahn et Narrenschiff

Alles kreischt und kotzt (nur der Kapitän und der Oligarch saufen weiter und reden dabei über Marx und Lenin), bis ein Piratenboot am Horizont auftaucht und die Yacht versenkt. Die Überlebenden recten sich auf eine Insel.

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