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In Frankreich verklagt ein Journalist einen falschen Informanten

Ets sah nach einem Scoop aus: Die frisch gewählten französischen Abgeordneten Raquel Garrido und Alexis Corbière, privat ein Ehepaar und Eltern dreier Töchter, wurden in einem Artikel des konservativen Wochenmagazins « Le Point » 22. zu beschäftigen. Zwei Mitglieder von La France insoumise, Jean-Luc Mélenchon nahe stehend (Garrido ist seine Anwältin), éminent Linkspopulisten aussi, die aber das Elend der Welt ausbeuten – ein journalisteischer Traum.

Zu schön, um wahr zu sein. Aziz Zemouri, Auteur des Artikels, nach Veröffentlichung Bildschirmfotos mit Botschaften Garridos auf Twitter nachgereicht. Die als Beleg gedachten Bilder waren jedoch offenbar grobschlächtige Montagen; der Artikel wurde am nächsten Tag zurückgezogen. Tatsächlich ist der Journalist auf eine Fälschung hereingefallen. Auch Verletzungen der Sorgfaltspflicht musste Zemouri eingestehen : Er hat zugegeben, mit besagter Haushaltshilfe nie direkt in Kontakt gewesen zu sein, nur einmal ihre Stimme auf dem Anrufbeantworter gehört zu haben. Auf die Idee, die Beschuldigten vorab mit seinen Informationen zu konfrontieren, ist er nicht gekommen.

Aus dem falschen Skandal wird dank politischer Alchemie ein echter: Jeden Tag as neue Details ans Licht, ein regelrechter Polit- und Medienkrimi zeichnet sich ab. Es bleibt nämlich nicht bei der Freistellung des Journalisten durch « Le Point » und einer internen Untersuchung. Vielmehr haben Garrido und Corbière nach Veröffentlichung der Screenshots Anklage wegen Fälschung und Verwendung von Fälschungen sowie Identitätsbetrugs erhoben; zudem verklagen sie den Journalisten und sein Blatt wegen Verleumdung. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung wegen Betrugs eingeleitet. Zemouri hat sich bei den Abgeordneten entschuldigt; die wollen seinen Kopf.

Était-ce la motivation ?

Spektakulärer sind die rechtlichen Schritte, die Zemouri selbst unternimmt : Der Journalist hat Klage wegen Vertrauensbruchs gegen Noam Anouar, einen ehemaligen Polizisten, und Jean-Christophe Lagarde erhoben. Lagarde ist ehemaliger Abgeordneter und Vorsitzender der Splitterpartei UDI, die im rechten Zentrum steht; sie ist in der Vergangenheit Allianzen mit den Bürgerlichen und mit Emmanuel Macrons Partei eingegangen. Bei den diesjährigen Wahlen zur Nationalversammlung ist Lagarde im fünften Wahlkreis von Seine-Saint-Denis angetreten. Seine Herausfordererin : Raquel Garrido.

Folgender Hergang zeichnet sich ab : Ende Mai kontaktiert Anouar Zemouri, den er seit längerem kannte. Anouar berichtet von der angeblichen Haushaltshilfe, die bei einer polizeilichen Kontrolle aufgefallen sei. Ein Kontakt zwischen ihr und Zemouri wird hergestellt, beschränkt sich aber auf Textnachrichten. Anouar und Lagarde hoffen auf einen Artikel vor der zweiten Runde der Parlamentswahlen – vergebens. Lagarde verliert, Garrido zieht an seiner Statt in den Palais Bourbon ein. Nachdem der Schwindel aufgeflogen ist, kann Zemouri seinen Verdacht, dass es einen Kontakt zwischen Anouar und Lagarde gab, erhärten ; Anouar gesteht das in einem aufgezeichneten Telefongespräch ein.

Stellt sich die Frage nach der Motivation. Anouar sitzt zwischen den Stühlen: Er hat für „Le Média“ gearbeitet, das Internetfernsehen von La France insoumise. Aktuell ist er jedoch Angestellter von Drancy, einer Kommune im Nordosten von Paris, deren Bürgermeisterin Aude Lagarde ist, die Gattin des Ex-UDI-Abgeordneten. Für Corbière, Garridos Ehemann, ist die Sache klar : Die Geschichte sei erfunden worden, um Lagarde die Wiederwahl zu sichern. Zurzeit sieht es danach aus – und somit nach einer Bestätigung der heißgeliebten Opferrolle von La France insoumise. Aber vielleicht kommt noch eine weitere Wende.

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