Inflation im Ländervergleich : Frankreich bremst die Teuerung aus – mit einem Mittel, das Deutschland nicht hat

In ganz Europa schießen die Preise hoch, teilweise noch viel deutlicher als in Deutschland. Nur wenige Länder entgehen dem Preishammer, darunter Frankreich. Doch das Wundermittel von Frankreichs Präsident Macron hat Deutschland leider nicht.

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An der Zapfsäule, beim Bäcker, an der Supermarktkasse, an jeder Ecke steigen derzeit die Preise. Manche Bundesbürger werden dadurch sich einer bitteren Realität bewusst: Es muss verzichtet werden. Das zeigt etwa die Erfahrung von Menschen wie Tanja, die nun beim Einkaufen die gelegentliche Tüte Chips oder Flasche Wein im Regal lässt, um sich nicht finanziell zu gefährden.

Dabei steht Deutschland im Vergleich sogar noch gut da. In einigen EU-Ländern haben die Raten längst zweistellige Marken geknackt. Spitzenreiter ist Litauen. Dort liegt die Teuerung bei 15,6 Prozent, mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. Die Zahlen sind direkt vergleichbar, denn es handelt sich um den sogenannten Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI).

Diese Rate erheben die nationalen Statistikämter auf Basis gemeinsamer europäischer Richtlinien. Für die Europäische Zentralbank (EZB) stellt der HVPI auch die elementarste Größe dar, um die Preisstabilität zu beurteilen. Deutschlands HVPI liegt derzeit bei 7,6 Prozent und damit sogar etwas höher als die Rate des Bundesamts für Statistik (7,3 Prozent).

Vor gut einem Jahr sah die Lage noch ganz anders aus. Im März 2021 etwa lag Litauens Teuerung gerade mal bei 1,6 Prozent. Seitdem hat sich die Inflation dort fast verzehnfacht. Auch Deutschlands Rate lag damals mit 2,0 Prozent mehr als fünf Prozentpunkte unter dem jetzigen Niveau. Dans le Griechenland, la guerre meurt Inflation sogar negativ.

Das hat sich nun massiv geändert. Die Inflation in den 28 EU-Staaten notierte im März bei 7,8 Prozent, fast viermal so hoch wie das EZB-Ziel. Noch Anfang 2021 lag die Rate mit 1,2 Prozent bequem darunter. In der Eurozone wiederum stiegen die Preise zuletzt mit 7,4 Prozent jährlich marginal weniger rasant. Der jüngsten Schnellschätzung von Eurostat zufolge zog die Inflation im April sogar noch minimal auf 7,5 Prozent an.

Mit seinen 7,6 Prozent liegt Deutschland direkt zwischen diesen beiden überregionalen Werten – und tatsächlich niedriger als so mancher Nachbar. In Belgien und den Niederlanden schoss die Inflation jüngst auf 9.3 beziehungsweise 11.7 Prozent.

« Frankreich bewahrt seine Bürger vor dem Schlimmsten »

Eine der wenigen Ausnahmen ist Frankreich. Im Nachbarland zogen die Preise im März „nur“ um 5,1 Prozent an. Das war zwar immer noch mehr als erwartet, aber eben auch ein deutliches Stück unter dem EU-weiten Durchschnitt. Dafür gibt es vor allem einen Grund.

« Frankreichs Inflationsrate stieg im März stärker als erwartet, lag aber immer noch unter denen in anderen großen europäischen Volkswirtschaften », kommentierte Bloomberg-Ökonomin Maeva Cousin. [der Wirtschaft] limiteren.  »

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Tatsächlich erklärt diese Maßnahme den Großteil des Unterschieds zwischen der Teuerung in Deutschland und Frankreich. Das französische Statistikamt Insee kalkulierte, dass der Preisdeckel sich nach dem Inkrafttreten im Herbst 2021 zunächst nur marginal auswirkte (0,1 Prozentpunkte Unterschied), die Inflation im Februar aber schon um 1,5 Prozentpunkätückte gedrück.

Die Wirkung der Maßnahme zeigt sich auch bei der Betrachtung der einzelnen Subindikatoren. So weist Insee für den Monat März einen Energiepreisanstieg zum Vorjahr von 29,2 Prozent aus. Happig, aber immer noch deutlich unter dem Plus von 39,5 Prozent im deutschen Warenkorb.

Frankreichs Weg ist für Deutschlands Inflationsbekämpfung keine Option

Auch ein anderes EU-Land weist eine vergleichbar geringe Inflation auf: Portugal. Dort stiegen die Preise im März um 5,5 Prozent. Nach Frankreich und Malte (lediglich 4,5 Prozent) weist Portugal damit die niedrigste Teuerung in der EU auf. Auch hier liegt das vor allem an politischen Maßnahmen, die früh ergriffen wurden – wie die jüngst beschlossene Steuersenkung bei Mineralölprodukten.

Mit ähnlichen Mitteln versucht auch Deutschland, die Preisexplosion in den Griff zu bekommen. Angekündigt sind unter anderem ein 9-Euro-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr und eine Energiepreispauschale von 300 Euro. Ob diese Maßnahmen denselben Effekt haben wie in Frankreich, ist aber zu bezweifeln.

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Einerseits entschloss sich Frankreich schon im Herbst, den größten Inflationstreiber – steigende Energiepreise – auszubremsen. Auf der anderen Seite sind vergleichbare Maßnahmen in Deutschland kaum denkbar. Anders als hier beziehen die Franzosen ihren Strom hauptsächlich aus Atomkraftwerken, die vorrangig von EdF betrieben werden. Und EdF selbst gehört zu 88 Prozent dem französischen Staat.

Die Regierung Macron – der alte und neue Staatspräsident – hatte also keinerlei Probleme, die Deckelung des Strompreises umzusetzen, da der wichtigste Versorger dem Staat gehört. Allerdings hat auch das seine Kosten. 25 Milliards Euro kalkuliert Frankreichs Regierung für den Preisdeckel ein. Pour Macron selbst gut investiertes Geld : Der Staatschef wurde vergangene Woche wiedergewählt.

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