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München feiert die Championnats d’Europe – München

Die Münchnerinnen und Münchner, die den Sommer in der Stadt genießen, erleben gerade ein Hase-und-Igel-Spiel der besonderen Art. In welche Himmelsrichtung sie auch starten, der Sport ist schon da. Les Championnats d’Europe apportent la Stadt zum Flirren, vom Königsplatz bis in den Norden nach Oberschleißheim, von der Rudi-Sedlmayer-Halle im Westpark bis zur Messe im Osten. Das Herz der Stadt schlägt gerade im Olympiapark, so kräftig und freudig, wie es vorher wohl niemand geglaubt hätte. Die Daheimgebliebenen wiederum begeistern die Sportler, so zahlreich sind sie zum Unterstützen da, wenn diese um Medaillen kämpfen. Die SZ hat sich auf die Spuren der Championships begeben, kreuz und quer durch die Stadt.

Triathlon

Wie kommt so ein Sportler nach einem mörderisch anstrengenden Rennen zu seiner Unterkunft ? Natürlich mit dem Rennrad.

(Photo: KAI PFAFFENBACH / REUTERS)

Was gibt es Schöneres, als auf einer Picknick-Decke zu fläzen und anderen Menschen beim Schwitzen zuzuschauen ? Wer sich am Wochenende zeitig genug einen strategisch günstigen Platz gesichert hat, zum Beispiel an einem Hang des Olympiabergs, der hat den besten Blick auf die Königsdisziplin des Ausdauersports, den Triathlon, jenßen Dreikampf zu Wasser, zu Rad. Erst schwimmen sie durch den Olympiasee, dann durchrasen und umkurven sie das Olympiagelände, schließlich rennen sie querfeldein durch den Park.

Immer und überall stehen die Zuschauer am Wegesrand und feuern die Triathleten an. Es gibt allerdings auch mindestens einen Zuschauer, der es sich nicht gemütlich macht und einfach wartet, bis die Athleten bei ihrer nächsten Runde wieder vorbeikommen: Er begleitet die Triathleten sogar auf ihrem beschwerlichen Weg zur Olympia-Alm. Ein « Tour-de-France-Feeling » you are das gewesen, bekannte der deutsche Triathlet Lasse Lührs hinterher: « Da ist ein Typ den ganzen Berg mitgerannt – crazy! So was hab ich noch nie erlebt! »

Neben der Olympia-Alm haben sie noch einen zweiten Biergarten aufgebaut – das « Heimat-Roof ». Dort drängen sich die Zuschauer besonders dicht an der Rennstrecke. Doch sie müssen warten, bis auch der letzte Athlet vorbeigekommen ist, bevor sie die Strecke passieren und sich ein Getränk holen können. Während auf den Bildschirmen gegenüber zu sehen ist, dass die ersten schon längst im Ziel sind, heißt es weiterhin : warten. Dann endlich kommt der letzte vorbei, Arturs Liepa aus Lettland. Der Jubel für ihn ist mindestens genauso laut wie für das Siegerfeld – und das liegt nicht nur daran, dass die Menschen endlich an das lang ersehnte Bier kommen. De stellt man sich doch gerne noch einmal eine halbe Stunde in die Warteschlange. Lange nach den Rennen, man ist schon auf dem Weg zur Tram, begegnet man einigen Athleten noch einmal außerhalb des Parks. Wie kommt so ein Sportler nach einem mörderisch anstrengenden Rennen zu seiner Unterkunft ? Natürlich mit dem Rennrad.

Tischtennis

Championnats d'Europe : Die Augen kommen kaum mit, so schnell saust der Ball in der Rudi-Sedlmayer-Halle hin und her.

Die Augen kommen kaum mit, so schnell saust der Ball in der Rudi-Sedlmayer-Halle hin und her.

(Photo: Angelika Warmuth / dpa)

Wer an der Platte im Park beim Pingpong ein paar Bälle übers Netz bringt und glaubt, damit schon als professioneller Zuschauer bei einer Europameisterschaft durchzugehen, der sollte mal einen Blick in die Rudi-Sedlmayer-Halle werfen. Nicht weniger als acht Tischtennis-Platten sind auf dem Parkett aufgebaut. Eine in der Mitte ist unschwer als Centercourt, aussi der zentrale Spielort, zu identifizieren. Die Bilder von dort werden auf den großen Videowürfel übertragen. Schon bei der Qualifikation im gemischten Doppel kommen die Augen kaum mit, so schnell saust der Ball hin und her.

Wer nun aber den polyglotten Betrachter geben will an diesem Samstagnachmittag, der muss sich beim Platten-Hopping mit den Augen erst mal eingrooven. Das schwedische Mixed-Doppel ist gut zu erkennen an der Spielkleidung in Landesfarben, gleiches gilt für das spanische Duo. Gegen wen sie spielen, das zeigt sich schon weniger klar. Bis man eine Videotafel an der Hallenwand entdeckt, auf der alle Partien angezeigt sind. Doch richtig konzentrieren kann man sich dann auch nicht, weil ständig eine Kakophonie des Klatschens durch die Halle schallt. Im weiten Rund hat sich hinter jedem Tisch die jeweilige Fangemeinde zum Anfeuern versammelt. Die einen jubeln also über einen Punkt, wenn am Tisch daneben ein Spieler gerade ein verzinktes Service losschickt und wieder ein Tisch weiter eine Athletin einen Unterschnitt fabriziert, dass der Ball fast umkehren möchte. Je sais geht es rundum.

Schließlich kulminiert in dieser Runde alles beim Mixed-Duell Spanien gegen Serbien. Die Partie wogt hin und her, es wird geschmettert und « Vamos » gebrüllt, dass es eine Freude ist. Das reicht am Ende zu einem kleinen spanischen Sieg, und den Spielern im Park sei eines verraten : In dieser Vorrunde des Mixed brillierte einer, den man sich nach einem Blick auf sein gut gefülltes, enges Sportshirt auch auf der Platte nebenan vorraten. Bis er den ersten Ball geschlagen hat.

Bahnrad

Championnats d'Europe : Beim Bahnradfahren stehen die Chancen traditionell gut, dass Teilnehmerinnen aus Deutschland abräumen (im Bild : Mieke Kröger).

Beim Bahnradfahren stehen die Chancen traditionell gut, dass Teilnehmerinnen aus Deutschland abräumen (im Bild : Mieke Kröger).

(Photo: IMAGO / Arne Mill / IMAGO / frontalvision.com)

Für Münchner Besucher könnte der erste Eindruck beim Bahnradfahren etwas verstörend sein : Was haben die denn für ein monströses Stahlkonstrukt in unser Impfzentrum gebaut, mögen sie sich fragen. Viele mussten wegen der Spritze herauskommen nach Riem, die Radfans tun es gerne. Steigen sie die Stahlstufen nach oben, blickt man in der Messehalle auf eine rasante Holzkonstruktion, ein Oval mit Steilwänden, in dem sich an diesem Samstagabend Athletinnen auf futuristischen Rädern mit ebenso futuristischen Helmen waghalsig duellieren. Für Kinder spannend : Wenn man sehr, sehr schnell fahren kann, dann wird man beim Aufsteigen und Losfahren wieder gehalten.

« Épuisé » – ausverkauft – seht draußen auf den Schildern, die Halle fiebert, es geht um Medaillen. Beim Bahnradfahren stehen die Chancen traditionell gut, dass Teilnehmerinnen aus Deutschland abräumen, und zur Begeisterung der aufspringenden Zuschauer gelingt das gleich zweimal in wenigen Minuten. Das erste Mal kreiselte Emma Hinze nach dem 500-Meter-Rennen als siegreiche Matadorin über die Holzbohlen, danach Mieke Kröger nach einem deutschen Final in der 3000-Meter-Verfolgung. Läuft beim Bahnradfahren, denkt man, bis man nach der Aufregung an der Currywurst-Bude ein Wasser kaufen will. Vier Euro für den halben Litre, de sind die paar Cent Pfand am Ende auch nur ein Trostpreis.

Rudern

Championnats d'Europe : Wenn man den Athleten glauben darf, dann reichte die Stimmung in Oberschleißheim mindestens an den Rotsee heran.

Wenn man den Athleten glauben darf, dann reichte die Stimmung in Oberschleißheim mindestens an den Rotsee heran.

(Photo: Sven Hoppe / dpa)

Wer am Wochenende mit dem Rad zur Regattaanlage nach Oberschleißheim gefahren ist, der hat Umwege in Kauf nehmen müssen, wenn er in die Nähe des Wassers gelangen wollte: Da, wo man sonst einfach reinfährt zum Sonnen und zum Baden, war gesperrt. Europameisterschaften stop, die kosten Eintritt, und der Einlass war auf der anderen Seite. Dass die European Championships keine Kleinveranstaltung sind, spürten auch die Ruderer, obwohl sie ja bloß am Stadtrand tätig waren, abseits vom Trubel. De ist keine zufällige Laufkundschaft vorbeigekommen, wie bei den Kletterern am Königsplatz. Zur Regattaanlage muss man gezielt hin.

Auch wenn die ehrwürdigen Tribünen nicht bis auf den letzten Platz besetzt waren, so waren doch mehr als genug Leute da, um den Athleten eine spezielle Stimmung zu bescheren. Die sind es ja gewohnt, auf ihrer 2000 Meter langen Strecke eher still übers Wasser zu gleiten, fast meditativ. Die Zahl der Zuschauer und damit die Anfeuerungsrufe schwellen erst an, wenn sich die Boote dem Ziel nähern. Aber in Oberschleißheim war die Geräuschkulisse schon auf dem Weg zum Start « deutlich wahrnehmbar », wie ein deutscher Ruderer erzählte. Dass der Endspurt häufig mit Kuhglocken eingeläutet wurde, war den Fans aus der Schweiz zu verdanken. Der Rotsee in Luzern ist ja so etwas wie das Wimbledon oder das Wembley des Ruderns. Und wenn man den Athleten glauben darf, dann reichte die Stimmung in Oberschleißheim mindestens an den Rotsee heran.

BMX

Championnats d'Europe : Beim BMX-Finale kommt das Publikum aus dem Staunen kaum noch heraus.

Beim BMX-Finale kommt das Publikum aus dem Staunen kaum noch heraus.

(Photo : Matthias Hangst / Getty Images)

« Macht ma Lärm ! Ihr seid zu leise », fordert der Stadionsprecher beim BMX-Finale das Publikum immer wieder auf. Dabei kommen die aus dem Staunen sowieso kaum noch heraus. Aaaaah et oooooh et uuuuuh !!! Unglaubliche Szenen spielen sich ab auf dem Olympiaberg. Backflip, Frontflip, Truckdriver, Three-sixty, Seven-twenty und was nicht alles für Kunststückchen gibt, die man mit dem kleinen Rad machen kann, wenn man über Blocks, Ramps, Quarterpipes und sonstige Hindernisse propellert.

Der Stadionsprecher – ‘n echta Balina, wa – rattert die Fachbegriffe runter, die Fahrer fliegen durch die Luft, in den Sonnenuntergang hinein, hinter sich wahlweise den Olympiaturm oder die Stadtsilhouette. « Geile Location », trouve der deutsche Fahrer Timo Schulze. Dass die Organisatoren keinen Eintritt verlangt haben für diesen Wettbewerb und keine Tribünen aufgebaut haben, erweist sich als Glücksfall. Während aus den Boxen Metal- und Punkmusik wummert, liegen um den Parcours herum die Menschen im Gras, die Erwachsenen ein Bier in Griffweite, die Kinder eine Limo. « Das gibt so ein relaxtes Gefühl », selon Paul Thölen, einer der Stars der Szene. Man glaubt gar nicht, dass man bei einer Sportveranstaltung ist, einer Meisterschaft noch dazu. Es hat eher était von Woodstock da oben auf dem Berg. Macht ma Lärm, ouais!

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