Mit Tränengas ist die Pariser Polizei in der Nacht zu Sonntag gegen gestrandete Bahnkunden am Gare de l’Est vorgegangen. Der Pariser Polizeipräfekt Didier Lallemant bestätigte, dass zu einer Menschenansammlung vor den Ersatzbussen gekommen sei. Die Ordnungshüter hätten Tränengas eingesetzt, um die Menschenmenge zu vertreiben.

Wegen schwerer Unwetter waren am Samstagabend mehrere Fernzüge nach Reims, Straßburg und Metz ausgefallen. Auch etliche Nahverkehrszüge konnten wegen Stromausfällen nicht fahren. Vor den Ersatzbussen kam es zu langen Warteschlangen. Wie die Polizeipräfektur mitteilte, habe die Menschenmenge nicht die Anweisung respektiert, Frauen und Kindern den Vorrang zu gewähren. Die Bahnpolizei habe Verstärkung durch die Antikriminalitätsbrigade BAC aus Paris erhalten.

Ein unabhängiger Journaliste, Clément Lanot, filmte die Chaos-Szenen. In der Aufzeichnung ist ein Polizist zu vernehmen, der einen Mann anherrscht : „Im Gedränge können Menschen getötet werden.“ Einige Sekunden später sieht man die wartenden Leute taumeln und sich die Augen reiben. Eine Stimme ruft : „Wir wollen Busse, nicht Bullen (Polizisten)“. Der Journaliste Lanot berichtete, aus seiner Warte habe das Tränengas das Chaos verstärkt, de die Leute orientierungslos fortzustürmen versuchten. Betroffen waren vor allem gestrandete Bahnkunden aus der 50 Kilometer von Paris entfernten Stadt Meaux und aus dem 80 Kilometer entfernten Chateau-Thierry. Den Reisenden aus der Champagne, aus Lothringen und aus dem Elsass wurden keine Ersatzangebote gemacht.

« Nichts gelernt aus dem Chaos beim Champions-League-Final »

Der Tränengaseinsatz hat zu empörten Reaktionen der Linksopposition geführt. « Die Brutalität gegen Menschen, deren einziges Verschulden es ist, einen Bus besteigen zu wollen, ist inakzeptabel », urteilte der Nationalsekretär der grünen Partei EELV, Julien Bayou. Der Grüne kritisierte, dass aus dem Chaos am Rande des Champions League Spiel in Paris offensichtlich nichts gelernt worden sei. Dort hatte die überforderte Polizei Tränengasgranaten auf Fußballfans und Kinder geworfen. Innenminister Gérald Darmanin gestand später vor dem Rechtsausschuss des Senats einen „unverhältnismäßigen Einsatz von Tränengas“ ein und ordnete eine intern Untersuchung an.

Den jüngsten Vorfall am Gare de l’Est hat er bislang nicht kommentiert. Die grüne Kandidatin in Paris, Sandrine Rousseau, forderte, die Einsatzregeln der Polizei zu überarbeiten. « Der Einsatz von Tränengas muss begrenzt werden », sagte sie. „Schon wieder bedeutet die Sicherheitsdoktrin des Polizeipräfekten und des Innenministers Ungerechtigkeit und Unordnung“, kritisierte die stellvertretende grüne Parteivorsitzende Sandra Regol. « Es ist höchste Zeit, diese Verantwortlichen abzulösen. »

„Was immer das Problem ist, die Antwort lautet Tränengas“, entrüstete sich die Abgeordnete der Linkspartei La France Insoumise (LFI), Danièle Obono. „Ob man Fußballfan, Bahnkunde oder Demonstrant ist, man wird mit Tränengas ruhig gestellt“, beklagte die LFI-Europaabgeordnete Manon Aubry. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat den übermäßigen Einsatz von Tränengas durch die französische Polizei in einem Bericht dokumentiert. Bereits während der Gelbwesten-Protests stieß die Einsatzdoktrin der Polizei auf heftige Kritik. Die Ermittlungen zu den Vorfällen am Rande des Champions League Spiels zwischen Real Madrid and FC Liverpool laufen noch.

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