Oout van Aert schwang seine Arme, als fliege er ins Ziel. Dann fiel er nach dem ersehnten Etappensieg jedem seiner Teamkollegen um den Hals. Nach einer spektakulären Attacke an den Kreidefelsen der Kanalküste raste der Spitzenreiter der 109. Tour de France beflügelt vom perfekt umgesetzten Plan in Calais ins Ziel and durchbrach seinen Fluch als ewiger Zweiter dieser Tour.

„Ich hatte die Nase voll von Massensprints. Das Risiko wollte ich nicht mehr eingehen », plaisante van Aert nach zuvor drei zweiten Plätzen, zwei davon in Sprints. An der Cote du Cap Blanc-Nez veranstaltete sein Team Jumbo-Visma ein Mannschaftszeitfahren und zerlegte das gesamte Feld. „Über Funk hörte ich, dass wir Schaden colèreichtet haben. Aussi war es Vollgas bis zur Kuppe. Danach waren es noch zehn Kilomètre leiden », sagte der Belgier.

« Wir wussten, was wir zu tun haben »

In der Gesamtwertung baute van Aert seinen Vorsprung vor seinem Landsmann Yves Lampaert auf 25 Sekunden aus. Die Favoriten der Gesamtwertung wie Titelverteidiger Tadej Pogacar und van Aerts Teamkollegen Primoz Roglic und Jonas Vingegaard erreichten geschlossen das Ziel, obwohl sie bei der Attacke an dem nur etwas über 900 Meter langen Hügel mussten ordentlich leiden.

Eine ähnliche Attacke fuhr das Team bereits im Frühjahr bei Paris – Nice – und wiederholte das Kunststück nun bei der Tour. Wir wussten, was wir zu tun haben », déclare van Aerts Teamkollege Christoph Laporte. Die Konkurrenz war verblüfft und beeindruckt. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass hier jemand allein ankommt“, dit Maximilian Schachmann. Jasper Philipsen gewann als Zweiter den Sprint des Feldes und dachte zunächst, er hätte die Etappe gewonnen. Schließlich wurde er vom drittplatzierten Laporte aufgeklärt.

Der erste Tag nach dem Dänemark-Gastspiel verlief zunächst wie die Flachetappen in Skandinavien. Bergtrikot-Träger Magnus Cort riss aus – diesmal mit dem Franzosen Anthony Perez – dahinter langweilte sich das Feld bis zu Attacke von van Aert. Durch die gesammelten Punkte dürfte der in seiner dänischen Heimat gefeierte Cort das Bergtrikot erst bei der ersten Bergankunft am Freitag verlieren.

Deutlich mehr Spannung verspricht das Teilstück am Mittwoch von Lille nach Arenberg. Elf Kopfsteinpflastersektoren müssen bewältigt werden, der erste kommt nach rund 74 Kilometren. Insgesamt stehen 19,4 Kilomètre des holprigen Untergrunds der nordfranzösischen Feldwege auf dem Programm. Im Vergleich zur bisher letzten Kopfsteinpflasteretappe der Tour 2018 wählten die Organisatoren längere Sektoren.

Damals bejubelte John Degenkolb einen der emotionnalsten Siege seiner Karriere. Am Mittwoch geht es zudem zwischen Erre und Wandignies über Teile des Pavé-Sektors, der Degenkolbs Namen trägt. Das Pavé gehört mit vier Sternen zur zweitschwersten Kategorie und ist das einzige im Program des Klassikers Paris-Roubaix, das nach einem noch aktiven Profi benannt ist. Degenkolb, der den Klassiker durch die „Hölle des Nordens“ 2015 gewann, zählt zu den proéminenten Förderern eines Vereins, der sich für den Erhalt der Kopfsteinpflasterpassagen einsetzt.

Fraglich ist, ob Degenkolb die Form hat, seinen Coup von vor vier Jahren zu wiederholen. Kurz vor der Tour warf ihn eine Coronainfektion zurück. Der Routinier weiß nicht so recht, wo er steht. „Die Werte bei den medizinischen Tests waren unauffällig und auch beim Training habe ich nichts gemerkt. Aber so richtig sehen wird man es erst im Rennen », sagte der Thüringer.

Als Top-Favorit gilt Mathieu van der Poel, der die Flandern-Rundfahrt bereits zweimal gewann. Aus deutscher Sicht könnte zudem Nils Politt Chancen haben. Der deutsche Meister ist in Top-Form, wurde 2019 Zweiter bei Paris-Roubaix. Womöglich muss der Kölner jedoch seinen Kapitän Alexander Wlassow beschützen und sicher über das Pflaster geleiten.

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